Röntgenblick

#Röntgenblick

B2/C1-Niveau***Hallo zusammen, heute möchte ich mit euch über Körpersprache reden. Kennt ihr den US-Amerikaner Joe Navarro? Der hat 25 Jahre lang für das amerikanische FBI gearbeitet und seine Aufgabe war es, Spione und Mörder zu entlarven. Offenbar war er darin sehr erfolgreich, denn es gelang ihm fast immer herauszufinden, wer der Bösewicht war. Navarros großes Talent: Er kann sehr, sehr gut die Körpersprache von anderen lesen. Die sogenannte nonverbale Kommunikation ist nämlich viel wichtiger als das, was wir sagen. Und das Allerwichtigste ist: Unser Körper lügt nie.

Nur 20 Prozent der Kommunikation laufen über das gesprochene Wort. Die restlichen 80 Prozent setzen sich zusammen aus Mimik und Gestik und der Stimme. Wenn wir entspannt sind, sieht man das beispielsweise an den Augen und an den Lippen, die gut sichtbar sind. Sind wir nervös, sind die Augenbrauen zusammengezogen und auf der Stirn zeigen sich Falten. Wenn sich jemand an den Hals greift, tut er dies fast immer um sich zu beruhigen. Bei jemandem der nervös ist, wird man das fast immer an der Stimme hören. Manche räuspern sich dann öfter und wenn Angst mit im Spiel ist, wird die Stimme auch meistens ein bisschen höher. Das hängt damit zusammen, dass wir bei Nervosität und Angst nicht mehr tief atmen. Und je weniger Luft wir zum Atmen haben, desto dünner und zum Teil auch höher wird die Stimme.

Die Bücher von Joe Navarro verkaufen sich sehr gut, was zeigt, wie gern viele Menschen wissen möchten, was ihre Mitmenschen wirklich denken und fühlen. Mit ein bisschen Training kann es auch tatsächlich besser gelingen, die anderen zu lesen. Und natürlich auch die eigene Körpersprache besser zu verstehen und zu wissen, was man in Situationen wie Vorstellungsgesprächen oder wichtigen Meetings besser lassen sollte. Immer wieder gibt es aber auch Menschen, die kein Training brauchen, um zu wissen, wie es anderen geht. Diese Leute haben den so genannten Röntgenblick.

Dieser Blick ist nach dem berühmten Physiker Röntgen benannt, der die Röntgendiagnostik erfunden hat. Wenn euch jemand mit einem Röntgenblick anschaut, sieht er in diesem Moment nicht besonders freundlich aus, eher ernst. Vor allem aber ist es ein Blick, der alles sieht, so wie das Röntgengerät beim Arzt. Doch weil wir inzwischen im digitalen Zeitalter sind, wird man vermutlich bald nicht mehr vom Röntgenblick sprechen. Dann gibt es nur noch den Chip-Detektor, der nicht nur sofort weiß, wer man ist, sondern auch wie man tickt. Ich sage tschüs und servus bis zum nächsten Mal. Eure Sonja

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