Bitte lächeln!

B2/C1-Niveau***Im Grunde ist es nichts anderes als die einfache Kinderzeichnung eines Lächelns: Punkt, Punkt, Komma, Strich, fertig ist das Mondgesicht. Nur nennt man diese Piktogramme im digitalen Zeitalter nicht mehr Mondgesicht, sondern Smiley. Heutzutage sind die Emoticons ein fester Bestandteil der Alltagskommunikation im Internet und Tag für Tag werden Milliarden von Smileys verschickt.

Smileys werden als Signal verwendet, um damit die eigene Stimmung auszudrücken und zu verhindern, dass wir missverstanden werden. Doch während die einen sie lieben und sich ein Leben ohne das lächelnde Zeichen gar nicht mehr vorstellen können, gibt es auch die, die Smileys eher nervig finden. Selbst der Erfinder des Grinsesymbols, der Informatiker Scott Fahlman, sieht das Emoticon heute kritisch. Seiner Ansicht nach ist der Gebrauch im Netz inflationär.

Doch wie steht es um das ganz reale Lächeln im Alltag? Wann habt ihr das letzte Mal gelächelt? Und wenn ja, worüber? Auch wenn es überraschend klingt: Im Gegensatz zum virtuellen Lächeln fällt uns das natürliche Lächeln gar nicht so leicht. Das berichten zumindest Menschen mit ausländischen Wurzeln, die hier in Deutschland leben. Schon öfters haben Schüler mir erzählt, dass sie Leute anlächeln, diese aber nicht zurücklächeln. Selbst dann nicht, wenn sie beispielsweise jemandem im Straßenverkehr die Vorfahrt überlassen.

Ich selbst habe übrigens Ähnliches erlebt: Wenn ich zum Beispiel Menschen anlächle, die man sonst gern übersieht, wie Busfahrer oder Reinigungskräfte, reagieren manche überhaupt nicht. Das liegt zum einen daran, dass diese Leute gar nicht daran gewöhnt sind, wahrgenommen zu werden. Zum anderen könnte es auch sein, dass in Deutschland das Lächeln als Kommunikationsmittel nicht so verbreitet ist wie in anderen Ländern. Denn hier hat das Lächeln häufig eine andere Funktion: Man möchte damit eine Freundschaft aufbauen oder aber flirten.

Einer internationalen Studie zufolge hängt ein Lächeln auch davon ab, wie viele Migranten in einem Land leben. Die Forscher haben in 32 Ländern untersucht, wie Menschen Offenheit zeigen, und sind dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Zusammenhang zwischen dem Lächeln und der Diversität der Bevölkerung besteht. Die These der Experten lautet: Je mehr Migranten in einem Land leben, desto mehr muss man lächeln, um Vertrauen zu signalisieren und eine soziale Bindung herzustellen. Kurz gesagt: Mehr Migranten, mehr Lächeln.
Nun bleibt abzuwarten, ob sich angesichts der vielen Migranten hierzulande die nonverbale Kommunikation im täglichen Miteinander verändert. Eines aber ist ein echtes Lächeln zweifellos immer: eine souveräne Form von Kontakt. Dann wird auch gern zurückgelächelt.

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