Wörter mit Migrationshintergrund

B2/C1-Niveau*** Den Begriff „Migrationshintergrund“ habe ich noch nie besonders gemocht, weil er mir immer ein bisschen künstlich und zu lang vorkam. Trotzdem kommt man nicht ohne das Wort aus, weil die Definition, die sich dahinter verbirgt, noch viel länger ist. Ein Mensch hat Migrationshintergrund, wenn er selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurde. Laut Statistischem Bundesamt hat inzwischen fast jeder Vierte in Deutschland ausländische Wurzeln. Diese Zahlen belegen, dass sich Deutschland verändert.

All diejenigen, die nicht mit Deutsch als Muttersprache aufgewachsen sind, müssen hier erst mal Deutsch lernen. Sprache ist der Schlüssel zur Integration, heißt es immer wieder. Eine neue Sprache lernen kann viel Spaß machen, braucht aber Zeit und ist immer wieder mühsam. Das liegt daran, dass schon Anfänger gleich im ersten Kapitel so komplizierte Wörter wie „Entschuldigung“ und „buchstabieren“ lernen müssen. Denn beide sind im Anfängeralltag elementar.

Hinzu kommt, dass Migranten im Deutschen mit Wörtern konfrontiert werden, die gar nicht deutsch sind: Wörter aus dem Englischen wie zum Beispiel taff, recyceln oder twittern, Wörter aus dem Französischen wie Garage, Blamage und Massage usw. Anders gesagt: Menschen mit Migrationshintergrund müssen Wörter lernen, die ebenfalls Migrationshintergrund haben. Das überrascht und frustriert manche, die Deutsch allein schon schwierig genug finden. In diesen Situationen versuche ich, ihnen die Parallelen zwischen beiden zu aufzuzeigen.

Wörter müssen zwar an der Grenze keinen Pass vorzeigen. Sie sind virtuell und irgendwann einfach da. Ansonsten aber gilt: Manche passen sich null an, viele integrieren sich und manche sind gar nicht mehr wiederzuerkennen. Das ist vielleicht kein Trost fürs Deutschlernen, weckt aber Verständnis. Und das ist viel wert.

 

 

 

 

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