Eine Hose ist nur im Deutschen tot

Version 2

C1-Niveau***„Man spricht im Deutschen von einem ‚Wortschatz’. Wörter, die wir kennen und die uns kennen, sind kostbare Schätze.“ Dieses schöne Zitat stammt von der Schriftstellerin Yoko Tawada, die schon in den achtziger Jahren nach Deutschland kam.

Die Autorin, die außer Japanisch und Deutsch fließend Russisch und Englisch spricht, schreibt sowohl auf Japanisch als auch auf Deutsch. Das Besondere an ihren Gedichten, die so schöne Titel tragen wie „Grammatik einer Sommernacht“ oder „Ein trennbares Paar“, ist der wache und zugleich distanzierte Blick, den sie als Nichtmuttersprachlerin auf die deutsche Sprache hat. Zu den kostbaren Schätzen, über die jede Sprache verfügt, gehören zweifellos die Sprachbilder. Also Redewendungen wie „Krokodilstränen vergießen“ oder „Geld stinkt nicht“, die es aber auch in anderen Sprachen gibt. Wenn jemand wie Yoko Tawada, der das Vergleichen zur zweiten Natur geworden ist, sagt, dass eine Hose nur im Deutschen tot sein kann, kann man ihr gewiss vertrauen.

In Deutschland gibt es übrigens schon lange eine Punkrockband, die sich nach dieser Redewendung benannt hat, „Die toten Hosen“. Wer die Musiker jemals live erlebt hat, würde jedoch nie auf die Idee kommen, sie als „langweilig“ oder „ohne Schwung“ zu beschreiben. Denn genau das versteht man unter dem Ausdruck „tote Hose“. Wahrscheinlich deshalb wurde die Band bei ihrem ersten Konzert vor über dreißig Jahren versehentlich als „Die Toten Hasen“ angekündigt. Die Männer um Sänger Campino aber sind bis heute quicklebendig.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.