Was zieh ich bloß an?

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Das schöne Kleid stammt von der Designerin Lea Kovats.

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Mehr Infos unter lea-kovats.blogspot.de

B2-Niveau***Wenn ihr vor eurem Kleiderschrank steht, stellt ihr euch sicher manchmal die klassische Frage: „Was zieh ich bloß an?“ Selbst dann, wenn der Kleiderschrank ziemlich voll ist. Frauen kennen das. Es soll jedoch auch Männer geben, denen das Dilemma bekannt ist.

Ähnlich wie ein Kleid, das man anprobiert und bei dem man sich überlegt, ob man sich darin wohlfühlt oder nicht, kann man die deutsche Sprache betrachten. Dieser Vergleich stammt jedenfalls von der Schriftstellerin Nino Haratischwili, die im Alter von 12 Jahren aus Georgien nach Deutschland kam. Die Autorin, die inzwischen Anfang 30 ist, erklärt, dass sie sich damals sicher war: „Ich werde das Kleid wieder ausziehen und mein eigenes anziehen. Aber so ist es nicht gekommen. Da habe ich realisiert, dass es zu meinem eigenen Kleid geworden ist. Und jetzt möchte ich es auch behalten.“

Nun sind viele, die Deutsch lernen, keine Kinder mehr und sie tun sich daher auch deutlich schwerer mit der Sprache. Nur selten würden die meisten auf die Idee kommen, ihr Deutsch als ein Kleid zu beschreiben, das ihnen wie angegossen passt. Manche vergleichen eher Deutsch mit einem Korsett, das ihnen wenig Freiheit lässt, andere beschreiben es als ein Kleid mit einem sehr komplizierten Schnitt.

Ein Sprichwort aus Tschechien besagt, dass wir mit jeder weiteren Sprache, die wir lernen, eine neue Seele erwerben. Und das braucht eben seine Zeit. Doch ganz unabhängig davon, ob sich die fremde Sprache irgendwann wie ein vertrautes Kleid anfühlt – bei zwei Dingen bleiben alle Menschen ihrer Muttersprache treu: beim Rechnen und beim Fluchen.

 

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