Sicher ist sicher

Das Fernsehen kann ein sehr lukrativer Auftraggeber sein. Das gilt natürlich für Schauspieler und Moderatoren, interessanterweise aber auch für die Drehbuchautoren der Krimiserie „Tatort“, die bereits seit 1970 existiert. Denn es vergeht fast kein Abend im deutschen Fernsehen ohne eine Wiederholung der beliebtesten deutschen Filmreihe für Kriminalfälle. Und für jede erneute Ausstrahlung bekommen die Autoren Geld. Neben dem „Tatort“ gibt es allerdings noch jede Menge anderer TV-Krimis, noch größer ist nur noch die Auswahl an Thrillern in Buchhandlungen. Mord und Todschlag also, wohin man schaut. Ausländer überrascht diese Vorliebe der Deutschen für Verbrechen regelmäßig. Will man sich in manch anderen Ländern mit dem Thema beschäftigen, genügt dafür der Blick in die Tageszeitung. Wie aber lässt sich die Verrücktheit der Deutschen nach Mördern erklären? Eine bei Ausländern beliebte These ist, dass die Deutschen so kontrolliert seien, dass sie zumindest in ihrer Freizeit ein bisschen Nervenkitzel bräuchten. Die erfolgreiche Krimiautorin Ingrid Noll hat eine ganz simple Erklärung für die Faszination am Verbrechen: Man beschäftige sich eben lieber mit den dunklen Seiten der anderen als mit den eigenen, meint die Schriftstellerin. Allgemein bekannt ist, dass die Wahrscheinlichkeit relativ gering ist, in Deutschland Opfer von Gewalt zu werden. Laut der polizeilichen Kriminalitätsstatistik von 2011 ist Berlin die Metropole in Deutschland mit den meisten Straftaten, gefolgt von Hamburg und Köln. Sicherste Millionenstadt bleibt demnach München. Für diese Erkenntnis benötigt man aber keine Statistik. Es reicht völlig aus, sich für einen Espresso in die Münchener „Schumann’s TagesBar“ zu setzen. Das Café in der Maffaistraße gilt neben der „Schumann’s Bar“ am Odeonsplatz als Top-Adresse für die Schickeria. Hier sitzt man, um da zu sein, und möglicherweise auch, um gesehen zu werden. Weil in München das Risiko, auf offener Straße bestohlen zu werden, eher klein ist, muss hier niemand seine Juwelen zu Hause im Tresor verschließen. Nicht alle Straftaten im deutschen Fernsehen beruhen übrigens auf Fiktion. Die Sendung „Aktenzeichen XY“, die sogar noch älter ist als der „Tatort“, behandelt ungelöste Kriminalfälle und bittet dabei immer die Zuschauer um Hilfe. Kürzlich bat die ZDF-Show um Unterstützung bei der Aufklärung für einen Diebstahl. Statt des gesuchten Täters verhaftete die Polizei allerdings den Schauspieler, der den Gesuchten spielen sollte.  Der 29-Jährige sah dem Dieb offenbar so ähnlich, dass ihn ein Fernsehzuschauer mit dem Täter verwechselt hatte und die Polizei alarmierte.

 

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