Bayerisches Lebensgefühl

 

 

 

Fragt man ausländische Touristen nach dem Bild, das sie von Deutschland haben, erwähnen viele Dirndl und Lederhosen, Gemütlichkeit, Bierzelt und Schweinshaxe – kurz gesagt: Sie denken an Bayern. Für Deutsche, die nicht aus Süddeutschland kommen, ist das immer wieder überraschend, denn sie können sich mit diesem bayerischen Lebensgefühl überhaupt nicht identifizieren. Diese Erfahrung macht auch der Fotograf Peter von Felbert häufig, wenn er Fotos seiner Serie „Unterwegs in Oberbayern“ verschickt. Der 46-Jährige ist seit 2009 bei der Galerie Wittenbrink in München unter Vertrag. Neben dem künstlerischen Bereich ist er auf den Gebieten Journalismus, Portrait und  Werbung fotografisch tätig. Schmunzelnd berichtet von Felbert, dass seine Arbeiten über bayerisches Brauchtum gerade im Norden der Republik auf Verwunderung und Skepsis stoßen. Dort halte man diese Bilder gerne für Inszenierungen von bayerischer Folklore.  Befremdlich erscheint dabei vielen gerade das Tragen von Tracht, die ein zentrales Symbol des bayerischen Lebensgefühls darstellt. Nun hat allerdings nicht jeder Bayer ein Dirndl oder eine Lederhose im Kleiderschrank und die Trachtengewänder werden auch nur zu besonderen Anlässen hervorgeholt. Über ein Dutzend solcher Brauchtümer hat der gebürtige Oberhausener inzwischen fotografisch dokumentiert. Für den Fotokünstler ist das „Sympathische daran, dass sie – anders als das Oktoberfest – überhaupt nicht auf Außenwirkung bedacht“ seien und in der Regel auch nur von Einheimischen besucht bzw. gepflegt würden. Was reizt einen Fotografen wie Peter von Felbert, der vermutlich nie auf die Idee kommen würde, selbst eine Lederhose zu tragen, an diesen Brauchtümern? Von Felbert lebt seit 20 Jahren in München und stellte irgendwann fest, dass er zwar die Stadt selbst sehr gut kannte, ihm das Umland jedoch völlig fremd war. Also setzte sich der Stadtmensch ins Auto und wagte sich in die liebliche oberbayerische Landschaft. So entstand zunächst die Bilderserie „Blaues Land“, die der 46-Jährige als Gratwanderung erlebte, da er weder „kitschig bzw. zu kitschig noch zynisch sein“ möchte. Seine Gefühle angesichts der bayerischen Landschaftsidylle ordnet der Künstler selbst als eine Mischung zwischen Sehnsucht und Distanz ein. Bei der späteren Serie „Unterwegs in Oberbayern“ rückt von Felbert näher an die Menschen heran und bleibt doch distanziert, bisweilen auch ironisch und gerne humorvoll. Dabei ist sein Blick auf die Menschen immer von Sympathie geprägt, der Fotograf stellt niemanden bloß. Freimütig gesteht Peter von Felbert auch ein, dass ihm das bayerische Lebensgefühl zwar durchaus sympathisch sei. Doch nach wie vor fühlt sich der im Ruhrgebiet aufgewachsene Künstler in Oberbayern als Gast und damit auch fremd, was ihm aber nicht unrecht ist. Und er zitiert den Märchenkönig Ludwig II., der gesagt haben soll: „Ein ewiges Rätsel will ich bleiben mir und anderen.“ Vielleicht ist es gerade diese Haltung, durch die dem Fotografen etwas Besonderes gelungen ist: Das Fremde nicht als befremdlich, sondern als anders zu verstehen.

http://www.felbert.de/

http://www.lumas.de/artist/peter_von_felbert/?gclid=CLiB963ymLICFUEK3godyyAAfg

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